Lange konnten die Bullen die Bastion bei 24.750/800 Punkten im DAX verteidigen – doch das ist seit letzter Woche Geschichte. Mit dem Bruch dieser Marke haben die Bären eine erste Duftmarke gesetzt und dürften als nächstes Ziel die Kurslücke bei 24.415/330 Punkten ins Visier nehmen.
Charttechnisch betrachtet würde aber erst ein Tagesschlusskurs unter 24.000 oder gar 23.700 Punkten die Bullen sturmreif schießen. Ab hier wären die Bären dann eindeutig am Drücker.
Eine Entlastung für das Bullenlager gäbe es erst bei einem DAX-Schlusskurs über 25.175/200 Zählern. Damit aber keine Zweifel aufkommen, wäre ein Ausbruch auf ein neues Allzeithoch eine überzeugendere Ansage.
DAX

Chart von stock3.com
Angesichts der schwindenden Dynamik am deutschen Aktienmarkt stellt sich die Frage, welche Sektoren derzeit überhaupt noch die Kraft haben, den DAX nachhaltig nach oben zu ziehen?
KI- und Chip-Aktien könnten diese potenziellen Sektoren sein. Hierfür müsste die aktuelle Konsolidierung aber nun auch zeitnah beendet und neue Höchststände erreicht werden. Ansonsten ist die Aktie der Allianz aktuell bärenstark – allerdings gilt das nicht für den gesamten Sektor. Die Aktien von Bayer, Deutsche Post und Siemens halten sich ebenfalls auf erhöhtem Niveau und stabilisieren damit den DAX. Damit enden aber auch schon die positiven Geschichten bei den Einzelaktien.
Autoaktien bleiben für Anleger ein einziges Trauerspiel. Während Mercedes-Benz, BMW und Porsche Automobil Holding auf neue Jahrestiefs durchgereicht wurden, erweist sich die Lage bei den Anteilsscheinen von Volkswagen als regelrechtes Desaster: Hier wurde inzwischen sogar das historische Corona-Tief der Aktie nach unten durchbrochen. Die operative Realität in Wolfsburg nimmt immer dramatischere Züge an.
Statt des ursprünglich geplanten Abbaus von 50.000 Stellen hat Konzernchef Oliver Blume im neuen Sanierungskonzept „Group Target Picture 2030“ nun einen weltweiten Kahlschlag von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Dem Vernehmen nach stehen in Deutschland mit Hannover, Zwickau, Emden und dem Audi-Werk Neckarsulm gleich vier traditionsreiche Werke vor dem endgültigen Aus.
Um das Fiasko perfekt zu machen, zieht Volkswagen nun auch noch die Reißleine beim automobilen Zukunftsprojekt „Autonomes Fahren“: Die mit rund 1,5 Milliarden Euro geförderte Entwicklungspartnerschaft mit Bosch wird beendet.
VOLKSWAGEN

Chart von stock3.com
Auch im Bereich der Softwareaktien ist häufig von vermeintlich günstigen Bewertungen und glänzenden Zukunftsaussichten die Rede. In den Charts spiegelt sich dieser Optimismus jedoch keineswegs wider.
Im Gegenteil: Der gesamte Sektor, angeführt vom Branchenschwergewicht SAP, steht massiv unter Abgabedruck. Frische Jahrestiefs signalisieren unmissverständlich, dass die Verkäufer bereit sind, ihre Bestände selbst auf diesen stark ermäßigten Niveaus abzugeben.
SAP

Chart von stock3.com
Auch die Highflyer der letzten Jahre – Rüstungsaktien – befinden sich im dauerhaften „Prime Day“ und überbieten sich mit Ausverkaufskursen. Auslöser war ein charttechnischer Paukenschlag bei Rheinmetall: Nachdem Verteidigungsminister Boris Pistorius das milliardenschwere Fregattenprogramm F126 überraschend gestoppt hat, stürzte die Aktie ab und notiert nun wieder im dreistelligen Bereich.
Damit hat sich der Kurs seit dem Allzeithoch bei 2.008 Euro mehr als halbiert. Dieser Schock riss den gesamten Sektor mit in die Tiefe – auch RENK und Hensoldt rutschten auf neue Jahrestiefs ab. Eine schnelle Trendwende ist angesichts des Schadens im Chartbild nicht zu erwarten. Im besten Fall gelingt es den verbliebenen Bullen nun, auf den tieferen Niveaus mühsam einen tragfähigen Boden auszuloten.
RHEINMETALL

Chart von stock3.com
In der zurückliegenden Woche erreichten im Anlageuniversum unseres DEUTSCHE AKTIEN SYSTEM – also den 160 Aktien aus DAX, MDAX und SDAX – 7 Aktien ein neues 52-Wochen-Hoch (Vorwoche: 8). Auf der Gegenseite verbuchten 17 Titel ein neues 52-Wochen-Tief. Das sind immerhin über 10% der wichtigsten Aktien des deutschen Kurszettels.
Die jüngste Schwäche im DAX hat zu einer leichten Reduzierung der Aktienquote im DEUTSCHE AKTIEN SYSTEM geführt. Bei der Aktie von Befesa kam es zu einem Verkaufssignal, sodass der Fonds nun mit lediglich 19 von 20 Aktien investiert ist. Die Aktienquote beläuft sich aktuell auf rund 88,7%.
Insgesamt präsentieren sich die Aktienmärkte derzeit spürbar volatiler, ohne dabei jedoch höhere Indexstände zu erreichen. Diese ausgeprägte Seitwärtsbewegung unter erhöhten Schwankungen ist ein klassisches Indiz für verstärkte Distributionsmuster: Große Marktteilnehmer nutzen die noch bestehende Marktliquidität, um aufgelaufene Gewinne sukzessive „einzutüten“.
Solange hierbei kein gravierender charttechnischer Flurschaden angerichtet wird, bleibt das Szenario einer konstruktiven Jahresendrallye im vierten Quartal zwar intakt – die Wahrscheinlichkeit für einen stürmischen Börsenherbst nimmt jedoch spürbar zu.
Statistisch betrachtet liefert der Juli den Bullen zwar häufig noch einmal Rückenwind, das unmittelbare Problem könnte jedoch im anstehenden Quartalsultimo schlummern: Bisher im Jahresverlauf aufgelaufene Kursgewinne auf der Aktienseite machen nun Portfolioanpassungen (Stichwort: Rebalancing) erforderlich. Große institutionelle Adressen könnten sich gezwungen sehen, Aktienbestände zu reduzieren, um den unterrepräsentierten Rentenanteil auszugleichen. Das könnte den Aktienmärkten durchaus Liquidität entziehen.








